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poniedziałek, 28 grudnia 2009
Witold Bohdan Stański: Dr.-Ing. Jan Czekajewski "die jüdischen Polizisten in den jüdischen Gettos wurden nicht verfolgt"

Witold Bohdan Stański                                                                    28.12.2009

Anton-Heinen-Str. 19

47807 Krefeld

E-Mail: stanski@t-online.de

 

Demjanjukprozess in München

 

Vor mehreren Monaten begann in München der Prozess gegen Iwan Demjanjuk, der während des zweiten Weltkrieges angeblich tausende Menschen (vor allem Juden) ermordet hatte.

 

Seit über 42 Jahren bemühe ich mich, zur besseren Beziehung und Versöhnung zwischen Polen, Deutschen und Ukrainern beizutragen. Selbst überlebte ich mehrmals den Krieg, wie durch ein Wunder. Ich verlor jedoch im Jahre 1943 meine Verwandten, die von den nationalistischen ukrainischen Banden (OUN-UPA) in Wolhynien bestialisch ermordet wurden. Betroffen waren mein Großvater, meine Großmutter, zwei Onkel, zwei Tanten und teilweise deren Kinder, die in den tragischen Pogromjahren ihr Leben verlieren mussten, nur deshalb, weil sie Polen waren.

Trotz der schrecklichen persönlichen Erlebnisse als kleines Kind sowie des verbliebenen Traumas, welches noch bis heute besteht, hege ich keine Hassgefühle gegenüber den Mördern oder deren Nachkommen, sondern suche nach Möglichkeiten zur Versöhnung und Verzeihung im Sinne der historischen Wahrheit. Aus diesem Grunde habe ich zwei Bücher geschrieben und herausgegeben.

 

Dr.-Ing. Jan Czekajewski, gebürtiger Pole, der seit 1962 in Schweden und seit 1968 in den USA lebt, hat mich ermutigt, seine Stellungnahme zu dem laufenden Prozess in München ins Deutsche zu übersetzen und an verschiedene Journalisten zu versenden.

Seine Meinung schätze ich sehr und glaube, dass Iwan Demjanjuk schon durch eine fünfjährige Haft in der Todeszelle in Israel für angebliche Hilfen als Wachmann in Sobibor während des zweiten Weltkrieges genügend bestraft wurde. Seine letzten Lebensjahre sollte der 89-jährige Greis mit seiner Familie und seinem Sohn in Amerika verbringen und nicht als Sündenbock für deutsche Naziverbrecher büßen.

 

Jan Czekajewski verfasste am 5. Dezember 2009 einen Lesebrief im Internet in polnischer Sprache, und ich hoffe, dass die deutschen Redakteure diesen in ihren Zeitungen veröffentlichen werden:

 

„Im November 1942, als ich 8 Jahre alt war, ging ich langsam in Richtung Stadtmitte in Częstochowa (Tschenstochau), um eine illegale, konspirative Schule zu besuchen. Polnische Schulen waren seit mehreren Monaten geschlossen und in deutsche Kasernen und Militärkrankenhäuser umgewandelt. Es war schon das dritte Jahr der deutschen Okkupation, die uns Hunger und Erniedrigung bescherte.

Polnische illegale Schulen, die man „Komplety“ nannte, wurden in privaten Wohnungen untergebracht. Man hat uns dort unter anderem polnische Geschichte beigebracht. Meine Schule existierte nicht lange, da die Gestapo meine Lehrer verhaftete und sie nach Auschwitz ( Oświęcim) schickte.

Die Deutschen haben behauptet, dass die Schulen für die Polen nicht notwendig waren, da Polen nur für die Sklavenarbeit für das Deutsche Reich vorgesehen wurden und für solche Arbeiten eine Berufsausbildung ausreichen würde.

Die „Komplety“, die ich besuchte, befanden sich ca. drei Kilometer von der Śniadecki Straße wo  wir wohnten.

 

Eines Tages ging ich zum Schulunterricht durch die Handlowa Straße und sah ca. 100 sowjetische Kriegsgefangene, die von zwei deutschen Soldaten zur Zwangsarbeitsstelle eskortiert wurden. Auf der linken Seite der Handlowa Straße befand sich ein Feld mit geerntetem Weißkohl und dessen gefrorenen Resten, da es in diesem November sehr frostig war. Die deutschen Soldaten erlaubten, nach der Bitte der Gefangenen, das geerntete Feld zu betreten. Sie liefen und warfen sich auf die Reste der Kohlblätter und aßen sie wie die besten Delikatessen. Ein Russe oder vielleicht Ukrainer deutete mir mit verzweifelten Gesten seinen großen Hunger an und bat mich um ein wenig Brot. Als Dank bot er mir ein Spielzeug an, welches er im Lager selbst mit einem Klappmesser angefertigt hatte. Ich konnte den Anblick eines verhungerten erwachsenen Menschen nicht ertragen und gab ihm zwei Scheiben Schwarzbrot mit Margarine, die ich von meinen Eltern als zweites Frühstück in der Schule bekommen hatte. In der Schule erhielten wir warme Magermilch, aber das Brot mussten wir von zu Hause mitbringen. Der sowjetische Gefangene überreichte mir als Dank ein Spielzeug aus Holz in Form eines Krokodils.

Als die Lehrerin mich in der Schule fragte, warum ich kein Brot hatte, erzählte ich, dass ich es dem hungrigen sowjetischen Gefangenen oder einem Ukrainer gegeben habe. Die Lehrerin stellte mich vor die Tafel und sagte, dass ich als Vorbild für andere sein müsste, da wir trotzdem unseren Feinden, wie in diesem Fall die Russen, einem hungernden Menschen helfen sollten, egal ob er Feind oder Freund wäre.

So lange ich mich erinnern kann, war es das einzige Mal während meiner Schulzeit, bei dem mir ein solches Lob vor der ganzen Klasse ausgesprochen wurde.

 

Nach dem Kriege erfuhr ich, (...)

 

Viele Jahre danach, in den achtziger Jahren, kam mein Freund aus Polen zu mir in die USA und brachte ein Spielzeug für meine damals einige Jahre alte Tochter mit. Zu meinem Erstaunen war es ein Krokodil aus Holz und identisch mit meinem damaligen Spielzeug, das ich von dem sowjetischen Gefangenen 1942 für zwei Scheiben Brot bekommen habe. Das Geschenk meines Freundes habe ich für mich behalten und besitze es bis heute noch. Dieser Anblick erzeugte bei mir eine dramatische Erinnerung an meine Kindheit während des Krieges. Was aus meinem damaligen Originalkrokodil des russischen Gefangenen  geworden ist, kann ich nicht sagen, da ich während so vielen Jahren öfter sowohl in Polen wie auch im Ausland umgezogen bin.

 

Heute, am 1. Dezember 2009, sehe ich im amerikanischen Fernsehen den 89-jährigen Greisen Iwan Demjanjuk, der auf einer Trage zum Prozess vor dem deutschen Gericht in München getragen wurde. Er wurde verdächtigt, im Konzentrationslager in Sobibor bei Verbrechen der Nazideutschen beteiligt gewesen zu sein.

Es könnte möglich sein, dass ich gerade von Iwan Demjanjuk  das Krokodil aus Holz geschenkt bekam, und dass Demjanjuk in Angesicht des Hungertodes gezwungen war, die Stelle eines deutschen Wachmannes zu übernehmen. Hungernde Menschen haben sich oft bei den Wachmannschaften gemeldet oder bei der Armee des Generals Wlasow, die auf der deutschen Seite während des zweiten Weltkrieges gekämpft haben.

 

Es ist mir nicht möglich zu sagen, ob Demjanjuk als Lagerwachmann tätig war, da er es verneint. Wenn er jedoch der Wachmann war, wer von uns würde angesichts des Hungertodes anders handeln? Wir hätten vermutlich versucht, unser Leben wenigstens um einige Monate zu verlängern, ähnlich wie es auch die jüdischen Polizisten in den jüdischen Gettos getan haben: solche Polizisten, die eigene Brüder verhafteten und in die Viehwagons trieben, um anschließend in den Gaskammern von Auschwitz und Treblinka vergast zu werden. Diese Leute wurden nicht verfolgt, da wir ihre damalige spezielle Situation verstehen.

 

Warum ist jetzt Iwan Demjanjuk heute so wichtig? Wir sollten bedenken, dass er schon von dem israelischen Gericht zu Tode verurteilt und anschließend frei gesprochen wurde, als man ermittelte, dass Iwan Demjanjuk nicht der gesuchte Verbrecher Iwan Grosny von Treblinka war, der 1945 verstarb. Damals saß Iwan Demjanjuk fünf Jahre in der Todeszelle in Israel und wartete auf seine Exekution.

Die Extradition von Demjanjuk nach Deutschland ist eine Ironie, (...)

 

Ich kann jedoch meinen Eindruck nicht abbauen, dass die ganze Angelegenheit mit Demjanjuk keinen gemeinsamen Punkt mit seiner Schuld oder seiner Person zu tun hat. Er ist ein Sündenbock und Propagandawerkzeug für bestimmte Gruppen im amerikanischen Justizministerium, welche verzweifelt die Gründe für ihre Existenz suchen. Sie haben ein großes Problem damit, da solche Menschen wie Demjanjuk ganz einfach aussterben.

 

Demjanjuk sollte in den USA und nicht in Deutschland vor Gericht stehen. Er war mehrere Jahre amerikanischer Staatsbürger. Die Vereinigten Staaten waren am Krieg mit Deutschland beteiligt, als die mutmaßlichen Verbrechen begonnen wurden. Vermutlich wurden auch in Sobibor amerikanische Staatsbürger ermordet, die während des Krieges in Europa kämpften und von Deutschen ins Lager als Kriegsgefangene gesteckt wurden.

Warum also wurde Demjanjuk von keinem amerikanischen Gericht angeklagt? Vermutlich deshalb, da die amerikanische Justiz, trotz vielen Mängeln,  mehr Beweise verlangt, um eine Schuld auszusprechen. Die Vorwürfe, die man Demjanjuk macht, sind schwach und nicht überzeugend. Es leben keine Zeitzeugen, und es ist nicht möglich, dass ein junger ukrainischer Bursche, damals Halbanalphabet, mit eigenen Händen tausende Menschen töten konnte. Man hat ihn nach Deutschland ausgeliefert, da die Deutschen ihr eigenes Interesse zeigen wollen, dass man Kriegsverbrecher in Deutschland verurteilt. Dabei versucht man seit Jahren, die eigene Schuld zu leugnen oder zu mildern.

„Den Menschen hat man, den Paragrafen findet man“ sagten zynisch sowjetische NKWD und KGB. Die gleiche zynische Einstellung sieht man im Prozess gegen Demjanjuk in München.“

 

Diesem oben übersetzten Lesebrief von Dr.-Ing. Jan Czekajewski kann in fast allen Punkten zugestimmt werden, obwohl auch eine andere Meinung vertreten werden könnte.

 

In meinem ersten historischen Buch beschrieb ich Tragödien von Deutschen, die nach dem Pakt Ribbentrop-Molotow und anderen Vereinbarungen zwischen Hitler und Stalin Wolhynien, Bessarabien und andere Gebiete seit Januar 1940 verlassen mussten, obwohl sie seit mehreren Jahrhunderten als Deutschstämmige in Frieden mit Ukrainern, Polen, Russen und anderen Nationen gelebt haben. Juden wurden durch die Nazis in mehreren Konzentrationslager vergast oder auf den Straßen ermordet. Holocaust an unschuldigen Menschen sollte nie zustande kommen, wie auch die Ermordung von Millionen Slawen.

 

Wir sollten solche Untaten nie vergessen und alle Toten in Erinnerung für weitere Generationen behalten. Man sollte jedoch keine Unterschiede zwischen Nationen machen, die Opfer von Nazideutschland wurden. Aber gerade das beobachten wir seit mehreren Jahren, dass die Juden als einzige Opfer und als ausgewähltes Volk in der ganzen Welt dargestellt werden. Die riesigen Geldforderungen, die die Juden noch heute von vielen Staaten verlangen, erzeugen nur mehr Antisemitismus in der ganzen Welt.

 

So sehe ich auch die Forderung von Juden zur Bestrafung von Iwan Demjanjuk durch das deutsche Gericht.

 

Ich hoffe, dass der Prozess in München möglichst schnell beendet wird, und dass wir uns in Europa und in den USA mehr auf die jüdischen und christlichen Lehren besinnen können. 

http://donbas.blox.pl/resource/Demjanjukprozess.pdf
Tagi: Demjanjuk
18:36, kulturzentrum , manowce, PORYCK, żydokomuna
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